Wie viele Themen kann ich parallel bearbeiten, bevor mein Kopf zerspringt? Wie lange brauch ich für 1.000 Zeichen? Und wann schreib ich eigentlich meine Masterarbeit? Mit alldem sollte ich mich dringend beschäftigen. Denn weil mir die Antworten fehlen, ist mein Leben in letzter Zeit ziemlich stressig geworden. Zeit, mal kurz Pause zu drücken.
In den letzten Wochen war ich auf dem besten Weg, mich unter dem Druck meines schlechten Zeitmanagements selbst zusammenzufalten wie einen Ballon, dem die Puste ausgeht. Etwa zeitgleich mit der Entstehung von absatzeins hab ich im Mai angefangen, freiberuflich mehr zu schreiben. Vielleicht hatte ich davor einfach zu lange zu wenig zu tun. Denn beides waren spontane und enthusiastische Entschlüsse in einer Phase, in der ich auch mit meiner Masterarbeit hätte durchstarten können. Von einem gemächlichen Schritttempo ging meine Arbeitsauslastung sehr plötzlich auf Vollgas. Und weil ich keine Erfahrung damit hatte, mir nicht nur Zeit sondern auch Aufwand frei einteilen zu müssen, fuhr ich quasi ohne Führerschein. Ist eigentlich schon klar, dass das nicht gutgehen konnte.
Irgendwas läuft hier schief
Die erste Zeit dachte ich nicht mal drüber nach, zu einem Themenangebot “Nein” oder “Gerade nicht” zu sagen. Warum auch? Ich war total motiviert und mir fehlte jegliches Zeitmanagement, nachdem ich monatelang keins gebraucht hatte. Der letzte Dienstag ist ein gutes Beispiel für diese Misere. Außerdem war er der Gipfel meiner Stresskrise.
Mittags bekam ich eine Nachricht von meinem Mitbewohner, der gerade ein Praktikum in einer therapeutischen Einrichtung macht. Die hätten dort ein tolles neues Projekt auf die Beine gestellt und er fragte, ob ich darüber nicht schreiben könnte. Das Wasser stand mir textetechnisch schon da bis zum Hals. Was sagte ich also? Klar! Als die Projektleiterin mich kurz später auf dem Handy anrief und spontan am Nachmittag Zeit für ein Interview hatte, sagte ich zu. Weil ich keine fixen Termine hatte, die mich daran hätten hindern können. Nur jede Menge unsichtbare Arbeit auf dem Schreibtisch.
Ich hätte wahrscheinlich bis zum Schlafengehen weiterarbeiten können. Da hat sich mir endgültig offenbart: Irgendwas läuft schon eine Weile gewaltig schief. Will ich wirklich so arbeiten? Statt weniger zu werden, häuften sich meine Aufgaben immer weiter an. Und statt im kreativen Prozess aufzugehen, wünschte ich mir bei jedem Text, er würde etwas schneller fertig. Nur, damit ich endlich am nächsten weiterschreiben kann. Ich machte also etwas, das ich allen empfehlen würde, die am frühen Abend am Schreibtisch sitzen und innerlich ein bisschen durchdrehen. Nämlich Feierabend. Ich traf mich mit Freund:innen, redete über das alles und hatte einen wundervollen Abend.
Lieber faul als ausgebrannt
Als Studentin arbeite ich freiberuflich nebenbei. Das birgt den großen Luxus, mich theoretisch vor niemandem rechtfertigen zu müssen. Bezahlt werde ich nur für Aufträge, die ich freiwillig annehme. Diese Unhabhängigkeit macht ja den Reiz der Selbstständigkeit aus. Gleichzeitig hilft mir ein gewisses Maß an Zeitdruck, besser zu arbeiten. Deadlines sind mir deshalb lieber als keine – so lange sie mit allem Drumherum realistisch sind. Um wieder freier atmen zu können, hab ich mir jetzt klare Arbeitszeiten gesteckt: Nach 18 Uhr ist Feierabend, am Wochenende wird höchstens für die Uni was geschafft. Klingt fast schon lächerlich selbstverständlich. Aber wenn man sie nicht klar einfordert, sind Feierabende und Wochenenden schneller dahin, als man gucken kann.
Dass ich mich anders strukturieren muss, hab ich immerhin gemerkt, bevor ich heulend irgendwo zusammengeklappt bin. Das funktioniert nicht immer so: Andere versuchen, Überbelastungen über Monate oder sogar Jahre auszuhalten. Weil sie den inneren und äußeren Druck verspüren, allem gerecht zu werden. Immer verfügbar zu sein und dann Perfektes zu leisten und zwar innerhalb der Deadline. Das sind eigentlich veraltete Arbeits- und Denkweisen, die psychische Gesundheit nicht ernst genommen haben. Wer merkt, wann es zu viel wird und deswegen “Nein” sagt, ist nicht faul. Oder unfähig. Im Gegenteil: Mental bei der Stange zu bleiben bedeutet auch langfristig bessere Arbeit zu machen.
Schreiben macht mir immer noch Spaß. Es ist nach wie vor ein völlig verrückter Gedanke, davon einmal leben zu können – es ist ja das, was ich sowieso immer gern gemacht hab. Trotzdem will ich arbeiten können, ohne dabei den Kopf zu verlieren. Und das heißt als Freiberuflerin für’s Erste vor allem Zeitmanagement und Abgrenzung zu lernen. Wie sich die teils lächerlich schlechte Bezahlung freiberuflicher Journalist:innen nach meinem Studium in Sachen Arbeitsbelastung auswirken könnte, macht mir natürlich Sorgen. Aber so weit ist es noch nicht. Und ich bin immer wieder bereit im Sinne meines Wohlergehens zu sagen: Halt, stopp.
Seid ihr gut darin, bei der Arbeit Grenzen zu setzen? Oder habt ihr auch Probleme damit, eure zeitlichen Ressourcen im Blick zu behalten? Erzählt’s mir in den Kommentaren!
x, Annika

Ein Gedanke zu „Dem Stress begegnen: Zeitmanagement als Freiberufler:in“